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Pfarre Furth

Geschichte der Pfarre Furth




Allgemeines

Die Pfarre Furth bei Göttweig liegt am Fuße des

Benediktinerstiftes Göttweig, des "Österreichischen

Montecassino". Sie ist eine von 28 inkorporierten Pfarren

des Klosters. Sie wird seit 2010 von P. Dr. Josef

Lackstätter, OSB, geleitet und gehört zum Dekanat

Göttweig.

 

Zur Pfarre gehören 2256 Einwohner, davon sind 1769

Katholiken (Stand Juni 2013). Das Pfarrgebiet umfasst nur

einen Teil des Gemeindegebietes von Furth und zwar die

Katastralen Furth, Palt und Aigen. Der Ortsteil Oberfucha

gehört zur Stiftspfarre Brunnkirchen, die Ortsteile

Steinaweg und Kleinwien zur Stiftspfarre Paudorf-Göttweig.

 

Die Entstehung der Pfarre Furth

Furth gehörte bis 1784 zum Pfarrgebiet der Nachbarpfarre

Mautern (eine Ur-Pfarre von Göttweig) und wurde von

Patres aus dem Stift betreut.

Wahrscheinlich bereits ab dem Jahr 1457 (möglicherweise noch früher) gab es in Furth eine Bruderschaft, die den hl. Sebastian sehr verehrte. Angrenzend an den alten Zehenthof des Stiftes Göttweig wurde eine Kapelle, die dem Hl. Wolfgang geweiht wurde, erbaut. Die Laienbewegung nannte sich in ihren Statuten, die 1494 erstmals errichtet wurden, "Sebastianibruderschaft". Mitglieder waren Geistliche (vor allem aus dem nahen Stift Göttweig), Adelige, Kaufleute, Bürger und Bauern. Auch Frauen waren in dieser frommen Laienbruderschaft gerne gesehen. Das Stift Göttweig war immer in dominanter Position in der Bruderschaft vertreten. Solche Bruderschaften waren Gebetsgemeinschaften, deren Mitglieder füreinander über den Tod hinaus beteten. Das sicherte dem Einzelnen sozusagen Gnaden bei Gott, etwas was für die damalige Zeit ungeheuer wichtig war: es war quasi wie eine Garantie für den Himmel, für die Erlösung.

Durch verschiedene Grundschenkungen und Geldgeschenke wuchs das Vermögen der Bruderschaft beträchtlich an. In der Reformationszeit verlor die Bruderschaft an Bedeutung. Der Grundbesitz blieb allerdings erhalten. Als im Stift Göttweig sich alles aufzulösen begann und die Besitzungen des Stiftes Göttweig mehr und mehr verpfändet wurden, fürchtete man auch, dass die Besitzungen der Bruderschaft verloren gehen könnten, weil sie mit dem Stift sehr verflochten war. 1547 wurde deshalb der Besitz der Bruderschaft dem Gemeindebesitz einverleibt und die Bruderschaft aufgelöst.

1564 kam es zur so genannten "zweiten Gründung" des Stiftes Göttweig unter Abt Michael Herrlich. Nun konnte es mit Göttweig wieder wirtschaftlich bergauf gehen. Allerdings war durch die Reformation ein großer Teil der Ortsbewohner bzw. der Pfarrangehörigen der Pfarre Mautern zu den Protestanten gewechselt. Man befürchtete die totale Abwendung der Bevölkerung vom katholischen Glauben. Aus diesem Grunde wurde im Jahr 1585 die Sebastianibruderschaft neu gegründet und der Besitz wieder rückgeführt. Mitglieder waren diesmal wieder Angehörige aller Bevölkerungsschichten: Personen, die dem Stift nahe standen (Prior, Patres, Angestellte des Stiftes, Angehörige der regierenden Äbte), aber auch BürgerInnen aus Furth und Umgebung, sowie "Ausländer" (Bewohner von Böhmen, Ungarn, Bayern, der Schweiz).

Im Jahr 1614 wurde beschlossen, die Kapelle, die im 1. Stock lag, um ein Kirchenschiff im Parterre nach Westen hin zu erweitern. Als Architekt stand der italienische Hofbaumeister Franciscus de Sylva zur Verfügung. Über dem Nordportal des Kirchenschiffes ist die Jahreszahl 1614 eingraviert. Der Bau wurde durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Grundstücksverkäufe finanziert. 1618 wurden die Kirche und der um sie angelegte Friedhof gesegnet.

Durch das Wirken der Bruderschaft wurden viele Menschen wieder katholisch. Es gab aber auch einige, die aus religiösen Gründen abwanderten; ihren Grundbesitz mussten sie allerdings vorher weit unter dem Wert verkaufen. In den Wirrnissen der Gegenreformation gelang es auch vielen Bürgern unterer Schichten durch Heirat in den Adelsstand zu kommen und so in der Gesellschaft aufzusteigen.

Vermutlich durch die Mithilfe des Stiftes Göttweig wurde bei Papst Gregor XV. im Jahr 1623 eine päpstliche Ablassbulle erwirkt, die den Mitgliedern der Bruderschaft unter bestimmten Voraussetzungen den Erlass der zeitlichen Sündenstrafen gewährte. Der Ablasshandel setzte allerdings schon vor der päpstlichen Ablassbulle ein. Man konnte durch eine bestimmte Geldzahlung den Ablass für eine bestimmte Zeit (1 Jahr) erwerben. Diese Praktik sollte den Kirchenbau von 1614 bis 1618 unterstützen und auch die in den folgenden Jahren erfolgte weitere Ausstattung der Kirche finanzieren helfen. Durch die Ablassbulle wurde das noch verstärkt.

Nach dem Bekanntwerden der Ablassbulle strömten viele neue Mitglieder in die Bruderschaft, vor allem die Zahl der Frauen wurde immer größer. 1627 wurden viele protestantische Stände entmachtet und die Prediger und Schulmeister vertrieben. Es kam zu Massenkonversionen zum katholischen Glauben. Die Gründe für den Eintritt in die Bruderschaft waren zu dieser Zeit entweder aufrichtige Frömmigkeit oder abergläubische Furcht. Volksfrömmigkeit und Aberglauben waren manchmal nahe beieinander. Es kam zu sonderbaren Praktiken und zu Auswüchsen: Das soziale Engagement für Bedürftige nahm immer mehr ab, was zählte, waren nur noch Äußerlichkeiten (prächtige Gewänder und große Aufwendungen für besondere Gottesdienste). Die Mitgliedsbeiträge wurden auch nach dem Tod der Mitglieder von den Angehörigen weiter an die Bruderschaft einbezahlt. Auch Minderjährige wurden aufgenommen, obwohl in den Statuten das Mindestalter mit 20 Jahren angegeben war. Sogar posthum wurden noch Mitgliedschaften eingetragen. Auch Personen, die kurz vor ihrem Tod standen oder aufgrund eines Verbrechens zum Tod verurteilt waren, wurden aufgenommen, um noch in den Genuss des Ablasses zu kommen. Das machte eine Reform nötig. Bereits Maria Theresia setzte erste Reformschritte, um diese Übel abzustellen. Aber erst unter Joseph II. (1765-1790) konnten sich Reformen durchsetzen. Durch das Toleranzpatent 1781 wurden auch evangelische und griechisch orthodoxe Gläubige anerkannt.

Auf Betreiben von Joseph II. kam es zur Gründung vieler kleiner Pfarren. So wurde auch Furth, das bisher zur Pfarre Mautern gehört hatte, am 15.4.1784 selbstständige Pfarre. Der Further Ortsteil Oberfucha kam mit Tiefenfucha zur Pfarre Brunnkirchen, die Further Ortsteile Steinaweg und Kleinwien kamen zur Pfarre Paudorf. Unter Joseph II. wurden viele (vor allem kontemplative) Klöster aufgelöst.

Am 11.10.1783 die Sebastiani-Bruderschaft vom Kaiser aufgelöst. Das verbleibende Vermögen wurde der neu gegründeten Pfarre zugeführt, um damit ihre Errichtung zu finanzieren. Die Auflösung der Bruderschaft hatte aber auch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft in Furth: Der Weinverkauf ging beträchtlich zurück, die Taverne war nicht mehr so stark frequentiert, viele Handwerker hatten weniger Arbeit.

Die Josephinischen Verordnungen verlangten den Verkauf vieler Bilder und Statuen, da sie die "wahre Frömmigkeit" beeinträchtigen würden.
Im Laufe der Jahre konnten jedoch ein Vortragekreuz, eine Strahlenmonstranz und ein Drehtabernakel angeschafft werden. 1799 wurde ein neuer Hochaltar mit einem Altarblatt, das die Heiligen Wolfgang und Sebastian zeigt, angeschafft. 1809 wurde der Altar von den Franzosen im Zug der Schlacht am Wagram zerstört. Auch der Pfarrhof wurde arg verwüstet.

Danach setzten ruhigere Zeiten ein. Die Kirche und der Pfarrhof wurden innen und außen renoviert, die Orgel wurde mehrmals überholt, Kanzel und Seitenaltäre mit Bernsteinlack versehen und die Kirchenstühle erneuert.

Im 1. Weltkrieg mussten 2 Glocken und die Orgelpfeifen aus Zinn dem Staat abgeliefert werden. In dieser Zeit änderte sich auch die Bevölkerungsstruktur: Zur bäuerlichen Bevölkerung kamen immer mehr Arbeiter dazu - bedingt durch eine Keramikfabrik, eine Ziegelfabrik und einen Steinbruch, die sich in dieser Zeit im Ortsgebiet bzw. in der Umgebung angesiedelt hatten. Die Arbeiter brachten einen antikirchlichen Geist in die Gemeinden und die Kirchenbesucher wurden weniger.

Im 2. Weltkrieg verstärkte sich diese Tendenz. Prozessionen wurden eingeschränkt, Firm- und Erstkommunionunterricht fanden in der Kirche bzw. der Sakristei statt. Die kleine Bronzeglocke wurde eingezogen, das Mauerwerk der Kirche war ohne Verputz. 1942 wurde der Pfarrhof in das Eigentum der Stadt Krems übergeführt.

1945 kam es zu einer schweren Beschädigung des Kirchendaches und der südseitigen Fenster. Am 9.5.1945 wurde der Pfarrhof für 2 Tage von den Russen besetzt, die auf ihrem "Kurzbesuch" die Bevölkerung belästigten und Weinkeller plünderten.

In den Nachkriegsjahren konnte die Kirche wieder saniert und eine Glocke angekauft werden. Im Jahr 1958 wurde eine Leichenhalle gebaut. Im Zuge einer neuerlichen Innenrenovierung 1963/64 erfolgten die Restaurierung des Hochaltarbildes und die Installation einer Bankheizung. Die bisher letzte Innenrenovierung fand im Jahr 1992 statt, bei der die Seitenaltäre sowie die Bänke restauriert und der Kirchenraum neu ausgemalt wurde.

Ehemalige Pfarrer der letzten 90 Jahre waren:

P. Wolfgang Gerhold von 1925-1940

P. Friedrich Reithmaier von 1940-1943

Josef Jakob von 1943-1946

Konrad Kornherr von 1946-1956

P. Gerhard Schmidl von 1956- 23.6.1966

Abt Wilhelm Zedinek als Provisor von 1966-1967

P. Benno Mayer von 1967-1983

P. Augustinus Andre von 1983-1991

P. Dr. Alfons Möstl von 1991-1993

P. Johannes Paul Abrahamovicz von 1993-1997

P. Ambros Kapeller von 1997-2003

P. Benno Mayer von 2003-2010

Insgesamt waren seit der Pfarrgründung 1784  38 Priester als Pfarrer in Furth tätig.

Die Pfarrkirche Furth aus kunsthistorischer Sicht

Der Außenbau ist ungegliedert. Die Kirche ist mit Sakristei und Schulhaus in den alten Gebäudekomplex des Göttweiger Meierhofes integriert. Der Turm an der Südseite zwischen den beiden Straßendurchfahrten trägt eine barocke Zwiebel, ähnlich den Göttweiger Stiftsecktürmen. Nach der Zerstörung des Turmes nach einem Blitzschlag wurde er 1719 von Johann Lucas von Hildebrandt als Gelegenheitsarbeit entworfen. Im Untergeschoß ist noch die alte Turmanlage erhalten, darüber entstand der Neubau. Auf jeder Seite (außer der Westseite) ist eine Turmuhr aufgemalt. Das Wappen des Abtes von Göttweig, Sebastian Eder, erinnert mit der Jahreszahl 1670 an die umfassende Umgestaltung des Gotteshauses im Barockstil.

Es lassen sich verschiedene Bauphasen der Kirche nachweisen. Den Kern bildet das Presbyterium, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert, mit den beiden darunterliegenden Straßendurchfahren. Der Chorbau enthält Teile der alten Wolfgangskapelle, die bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückgehen und aus der Zeit der Sebastiani-Bruderschaft stammen. Das frühbarocke Langhaus wurde vermutlich 1591 bzw. 1614 (diese Jahreszahl zeigt ein Stein über dem Nordportal) angebaut. Baumeister für diese Bauphase war der bereits erwähnte Franciscus de Sylva.

Die große steinerne Treppenanlage im Inneren wurde 1727 unter Abt Gottfried Bessel errichtet. Die Sakristei im Osten kam vermutlich im Zusammenhang mit der Änderung des Hochaltars nach 1800 dazu, Teile der Einrichtung aus der Barockzeit sind noch vorhanden.

Die beiden Straßendurchfahrten ergeben im Presbyterium eine Staffelung in zwei Ebenen. Auf der obersten Ebene befindet sich der Hochaltar mit der dahinter liegenden Sakristei. Den Abschluss bildet die Kommunionbank. Neun Stufen tiefer stehen der Volksaltar und die seitlich zwischen den Pfeilern eingepassten Chorstühle. Neun weitere Stufen führen ins Langhaus. Zum Kirchenraum gibt es zwei Zugänge, einen im Westportal, einen im Nordportal. Das Südportal wurde nachträglich zugemauert.

Zwischen der Aufgangstreppe und dem rechten Seitenaltar steht der Taufstein. Das Presbyterium erhält durch den Hochaltar als Abschlusswand den Charakter einer Bühne. Es nimmt nahezu die Hälfte der gesamten Raumlänge ein.

Im Jahr 1805 wurden die gotischen Gewölberippen abgeschlagen, die Ausmalung ging verloren, erhalten blieb lediglich im Zentrum des Gewölbes das Fresko mit der Heiligen Dreifaltigkeit. Die im Jahr 1950 aufgebrachten Bilder der abendländischen Kirchenväter wurden bei der Renovierung im Jahr 1992 wieder entfernt. Die Innenausstattung ist stilistisch uneinheitlich. Dominierend sind Stücke aus der Zeit um 1800.

Der Hochaltar ist zweiteilig: vorne die Mensa mit dem Tabernakelaufbau und der Predellenzone, dahinter eigenständig an der Wand hochgehend die Retabelwand in Spitzbogenarchitektur als Rahmen für das Hochaltarbild (1799 von Franz Staudinger errichtet). Die beiden Tabernakelbilder aus dieser Zeit stammen von Andreas Rudroff. Das Altarbild, das die Heiligen Wolfgang und Sebastian unter der Trinität zeigt, stammt von Leopold Mitterhofer (1799).

Die beiden Seitenaltäre lassen sich in die Zeit um 1800 datieren. Sie weisen eine stillose Form auf. Der obere Abschluss stammt aus dem Neubarock, der rückwärtige Aufbau enthält noch ältere Teile. Das Dekor, das aus einem größeren Verband stammen dürfte, wurde in Zweitverwendung neu adaptiert. Die Akanthusranken erinnern an den Knorpelstil (ca. 1680).

Die Kanzel an der Nordwand der Kirche wurde 1729 errichtet, 1820 vereinfacht und mit Ölbildern verziert. Sie ist eine einfachere Ausführung der Göttweiger Stiftskanzel.

Über dem Beichtstuhl befindet sich eine Skulptur des Hl. Sebastian am Baum (um 1635), die vermutlich aus dem Kreis des Matthias Schwanthaler stammt. Der 14-szenige Kreuzweg in Öl auf Leinwand (vor 1820) ist Leopold Mitterhofer zuzuschreiben.

Die Orgelempore ruht auf zwei ungleichen Säulen (eine steinerne und eine gemauerte) - ca. 1620 entstanden. Die derzeitige Orgel stammt aus dem Jahr 1971 und wurde von Gregor Hradetzky aus Krems erbaut. Sie verfügt über 2 Manuale und 17 Register. Sie ersetzte die alte Orgel aus dem Jahr 1875.
Die Innenausstattung im klassizistischen Stil mit Resten aus dem Frühbarock steht in engem Zusammenhang mit der Göttweiger Stiftskirche.

Pfarrhof

Das Gebäude, das heute als Pfarrhof zur Verfügung steht, ist bereits im 15. Jahrhundert nachweisbar.

Es diente als Lesehof für das Stift Göttweig, wurde aber zwischendurch an Privatpersonen verkauft, vererbt und schließlich durch ein Vorkaufsrecht des Stiftes unter Abt Gottfried Bessel 1737 wieder zurückgekauft.

Es wurde Anfang des 18. Jahrhunderts bis auf die Grundmauern abgerissen und durch Franz Anton Pilgram (1699-1761) wieder aufgebaut. Im 1. und 2. Stock sind noch wertvolle Stuckarbeiten aus dieser Zeit erhalten: letzte Renovierung 1990. Der Pfarrsaal liegt im 1. Stock. Seit Oktober 2012 gibt es einen barrierefreien Zugang dazu.

Der Garten weist eine symmetrische Form auf und war auch mit einem Lusthaus in elliptischer Form ausgestattet. Das zugehörige Grundstück samt Lusthaus ist heute in Privatbesitz.

 


Quelle: Further Heimatbuch, 1985