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Pfarre Furth
1. Lesung – Hiob 38, 1-11: Gott antwortet dem Hiob auf seine Not,

auf seine Fragen mit den Naturgewalten. Er ist der Herr der

Naturgewalten. Am Beispiel des Meeres zeigt Gott Hiob seine

unbeschränkte Macht. Was den Hiob aber am meisten überzeugt ist

die Begegnung mit Gott selbst. Damit ist für ihn alles geklärt. Es gibt

für ihn keine Fragen mehr.

2. Lesung – 2 Kor 5, 14-17: Christus ist für alle gestorben, damit sie nicht

mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt

wurde. Von nun an schätzen wir niemand mehr nach menschlichen

Maßstäben ein. Wer in Christus ist, ist eine neue Schöpfung.

Evangelium – Mk 4, 35-41: Nach einem Einsatz möchte Jesus mit seinen

Jüngern an das andere Ufer des Sees Genezareth nach Gerasa fahren.

Mit einigen Booten fahren sie ab. Da erhebt sich ein heftiger Sturm, sodass

die Wellen in das Boot schlagen. Jesus schläft. Da wecken ihn die Jünger

mit dem Vorwurf: Herr kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?

Da droht Jesus dem Wind mit den Worten: Schweig, sei still! Und der

Wind legt sich, es tritt völlige Stille ein. Und er sagt zu ihnen: Warum habt

ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große

Furcht und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm

sogar der Wind und der See gehorchen?

Predigt:

Die Situation ist sehr nachvollziehbar. Wenn die Naturgewalten losschlagen,

richtet der Mensch nicht viel aus, auch nicht die erfahrenen Fischer auf dem

See Genezareth. Wenn sich ein Boot mit Wasser zu füllen beginnt und man

kommt mit dem Ausschöpfen nicht mehr nach, dann wird es eng, menschlich

gesprochen eng. Dann kann man sich ausrechnen, wie lange es noch geht,

bis das Boot voll ist und dann geht man unter. Sie bekommen Angst.

Es geht ums Leben.

Die Jünger lassen Jesus schlafen. Sie wissen sicher, dass er sehr müde sein

muss, ohne Pause im Einsatz für die Menschen. Aber als es eng wird, wecken

sie ihn voller Angst. Vermutlich werden sie nicht damit gerechnet haben,

dass Jesus auch souverän Herr dieser Situation ist – gemäß dem Schlusssatz.

Aber in der Frage, die ein Vorwurf ist, kommt auch eine Hoffnung durch.

Der Vorwurf lautet: Kümmert es dich nicht.. Sie unterstellen damit Jesus, dass

sie ihm gleichgültig sind. Das ist typisch für uns Menschen, wenn wir in Not

geraten. Dann fühlen wir uns rasch von Gott verlassen, von den Menschen

sowieso, aber von Gott, dem guten Gott, wie passt das zusammen? Diese Not

und ein Gott, der uns liebt und alles in seiner Hand hält? Eine große Frage

durch die Geschichte der Christenheit. Es gibt viele positive Erfahrungen von

Menschen in Not, aber auch immer wieder die Erfahrung, dass der Hilferuf

nicht gehört wird, scheinbar nicht gehört wird. Es passiert nichts, scheinbar

nichts.

Aber an dieser Stelle passiert etwas Offensichtliches:

Jesus spricht und es ist. Wie bei der Schöpfung im Buch Genesis: Gott sprach

und es ward.

Sein Wort schafft Wirklichkeit. Jesus gerät nicht in Angst und Schrecken.

Er ist der Herr.

Und dann kommt ein Vorwurf von Jesus: Warum habt ihr solche Angst?

Habt ihr noch keinen Glauben?

Klar, wenn man immer voll Vertrauen sein kann, braucht man keine Angst

haben. Das ist nicht leicht für uns Menschen, in der Angst vor Unglück, im

Unglück, in der Angst um Leben, um Lebensglück, werden wir sehr schnell

nervös. Und wir kämpfen, nehmen uns, was uns nicht zusteht. Das raubt

uns den Frieden und zerstört immer Miteinander. Die Möglichkeit, dass

Gott auch mit dem Schweren in unserem Leben Großes wirken kann, ist

für uns undenkbar. Auch wenn wir wissen, dass nicht immer alles

problemlos sein kann. Auch wenn wir wissen, dass aus mancher Not auch

Gutes werden kann. Aber Kreuz und Segen bringen wir nicht unter einen

Hut. Wir könnten vielleicht beten: Herr, lass daraus Segen werden. Das

könnte dem Ganzen eine andere Wende geben und unserem Herzen

mehr Vertrauen.

Bei dem Wort: Habt ihr keinen Glauben?, geht es nicht zuerst um eine

Feststellung, sondern um einen Aufruf: He Leute, arbeitet an eurem

Vertrauen. Glauben ist auch eine Entscheidung, ähnlich wie Liebe.

Für die Jünger wird dieses Ereignis zu einer Gotteserfahrung, auch wenn

sie das vermutlich in diesem Augenblick schwerlich so deuten würden.

Das Geheimnis Jesu wird zum ersten Mal in seiner ganzen Größe vor

ihren Augen offenbar. Das sich freilich im Laufe der Zeit immer weiter

verdeutlicht/verdichtet bis Thomas nach der Auferstehung zu Jesus

sagen kann: Mein Herr und mein Gott. Wir können es schon jetzt mit

ihm sprechen. Tun sie das in ihrem Herzen! Es ist ein Weg zum

Glauben. Amen.