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Pfarre Furth

1. Lesung – 2 Kön 4, 4-16: Der Prophet Elischa ist zu Gast bei einer vornehmen

Frau in Schunem. Sie tut ihm Gutes und er möchte ihr eine Freude bereiten:

Durch sein Gebet bekommt sie ein Kind, einen Sohn. Gott erfüllt unsere

Sehnsüchte und Wünsche – teilweise.

2. Lesung – Röm 6, 3-11: Taufe heißt Taufe auf den Tod Jesu und auf seine

Auferstehung. Deshalb sollen wir als neue Menschen leben, die tot sind für

die Sünde und leben für Gott, für die Gerechtigkeit.

Evangelium – Mt 10, 37-42: Das heutige Evangelium steht im Anschluss an die

Sendung der Jünger und den Ruf Jesu der letzten beiden Sonntage: fürchtet

euch nicht, fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten können.

Heute folgen Worte äußerster Entscheidung: Wer Vater und Mutter,

Kinder mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Wer nicht sein Kreuz auf sich

nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Wer das Leben verliert,

wird es finden. Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf und den, der mich

gesandt hat. Wer einen Propheten oder Gerechten aufnimmt, wird dessen Lohn

erhalten, ebenso wird jeder, der euch etwas Gutes tut, den Lohn eines Jüngers erhalten.

Predigt:

Das heutige Evangelium ist äußerste Herausforderung an uns Christen,

an alle, die Jünger Jesu sein wollen.

Man könnte mit der hl. Theresia von Avila sagen: es ist nicht gut,

dein Jünger zu sein; oder wenn du deine Jünger so behandelst, brauchst du dich nicht

wundern, wenn du so wenig Freunde hast. Das sagt sie einmal, als sie mit ihrer Kutsche

in einen Fluß stürzte bei der Überquerung einer Brücke, als diese nachgab.

Sie war eine mutige Frau. Ihr Wort an Jesus ist aber auch ein Zeichen von einer

Ernstnahme Gottes, seiner Gegenwart und des Glaubens daran, dass er eingreifen kann.

Für uns ist es oft unverständlich, dass er es nicht tut, andere wieder bewahrt,

scheinbar bewahrt vor Unheil, die es unserer Meinung nach nicht verdienen.

Ich denke, Gott kann uns alles zum Segen werden lassen, das Gute und das Schwere.

Wichtig ist, dass wir ihm vertrauen, dass wir ihn darum bitten,

dass es uns zum Segen wird.

Dieser Text soll uns unmissverständlich klar machen, dass Gott die erste Stelle gebührt.

Das ist das Wichtigste, wichtiger als alle Beziehungen, ja das Leben. Selbst wenn man

das irdische Leben verliert, wegen dem Glauben oder auch aus sonstigen Gründen,

soll uns das nicht bekümmern, verunsichern. Wir sollen bereit sein, alles loszulassen,

die ganze Glückserwartung an das Leben, ja das Leben selbst.

Dazu muss man sagen, dass im Altertum diese Beziehungen im engsten Familienkreis

viel stärker waren als bei uns heute, weil die Menschen füreinander eine

lebensentscheidende Bedeutung hatten. Die Familienmitgleider, der Clan, war der

letzte Sicherungshalt im Leben, den man überhaupt hatte. Da war alles inbegriffen,

was heute der Staat, Institutionen, Versicherungen, das Bankkonto übernommen haben.

Klingt es in unseren Ohren schon fürchterlich, so war das damals noch viel Schlimmer.

Da geht es wirklich um ein letztes Sich-Ausliefern. Wir dürfen den Text nicht beschönigen.

Freilich dürfen wir auch dazudenken, dass die semitische Ausdrucksweise es liebt,

sich so radikal, in Gegensätzen auszudrücken, um das Gemeinte ganz pointiert

zum Ausdruck zu bringen.

Das Ordensleben ist vom Grundgedanken her der Versuch, diese Zumutung Jesu

buchstäblich in die Tat umzusetzen. Bei der ewigen Profess legten sich die Mönche

vor dem Konzil auf eine Totenbahre, um diese Ganzhingabe drastisch zum

Ausdruck zu bringen.

Ja darf man denn so radikal sein? Ist das nicht unmenschlich?

Für uns Menschen ist es schwer, die Menschenfreundlichkeit Gottes und eine solche

Radikalität unter einen Hut zu bringen. Ja es kann uns schaudern, wenn wir die Texte

ganz ernst nehmen. Tun wir das nicht, verkommt das Christentum zu einer Folklore,

zu einer Brauchtumspflege, wo man halt Gebräuche einhält, aber das Herz,

der ganze Mensch, nicht mehr dahinter steht.

Ein Gedanke: Wenn ich alles loslasse, kann mir nichts mehr genommen werden.

Ein Mensch, dem nichts mehr genommen werden kann, hat nichts mehr zu verlieren:

er ist frei, vor allem innerlich! Was kann mir passieren. Das bewahrt mich vor Gier,

Neid, Eifersucht, Angst, Egoismus, Härte, Sucht, Unversöhnlichkeit, kurz vor allem,

was mich unfrei macht und das Miteinander zerstört.

Ein anderer Gedanke: Hiob hat, nachdem ihm alles genommen worden war,

Besitz und Kinder, Gott preisend alles dem Herrn zurückgegeben: Der Herr hat es

gegeben, der Herr hat es genommen, gepriesen sei der Name des Herrn.

Übermenschlich ist dieses Gebet, möchte ich dazu sagen.

Wogegen sich Hiob verwehren wollte war, dass ihm dieses Unheil als Folge einer

Schuld zugestoßen ist. Gemäß der Hl. Schrift war auch nicht Schuld die Ursache

dafür. Die Begegnung mit Gott hat für ihn alle Fragen und Klagen in Nichts aufgelöst.

Deshalb denke ich, dass man eine solche Lebensweise auch nur leben kann,

annähernd leben kann, wenn man im Gebet tief mit Gott verbunden ist.

Aus eigener Kraft geht da nichts. Das muss einem klar sein. Dass Gott an der ersten

Stelle steht, sollte sich auch in einer entsprechenden Lebensgestaltung bemerkbar

machen. Daraus wächst dann die Kraft zur Umsetzung. Freilich wird es dabei

immer wieder Brüche geben, wird der alte Mensch durchschlagen,

aber die Grundhaltung macht mich frei.

Gibt es ein tröstliches Wort in diesem Evangelium?: Wer das Leben um meinetwillen

verliert, wird es finden. Gemeint ist nicht das irdische Leben, das physische Leben,

Wohlstand usw. Sondern das Leben, das das Herz erfüllt. Und das gilt nicht nur

für das ewige Leben sondern schon in dieser Welt, wenn wir das andere Wort Jesu

ernst nehmen: Für alles, was ihr um meinetwillen in dieser Welt verlassen habt,

werdet ihr in dieser Welt das 100 fache bekommen und dann das ewige Leben. Amen.