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Pfarre Furth

1. Lesung – 1 Sam 16: David wird wegen der Verwerfung Sauls zum 2. König von Israel gesalbt. Er

ist der Jüngste, der Kleinste, der Unscheinbarste von seinen Brüdern. Aber er ist von Gott erwählt.

Denn Gott schaut nicht auf das Äußere – wie der Mensch, sondern auf das Herz. Der Blick Gottes ist

ein Blick der Liebe.

2. Lesung – Eph 5: Lebt als Kinder des Lichts, bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor. Steh auf von den Toten

und Christus wird dein Licht sein.

Evangelium – Joh 9, 1-41: Jesus heilt einen Blindgeborenen an einem Sabbat. Da bringen Leute den Geheilten zu den

Pharisäern. Diese nehmen ihn ins Verhör: wer hat dich geheilt? Jesus. Am Sabbat ist das doch verboten? Er muss ein Sünder

sein. Der Geheilte nennt ihn aber einen Propheten. Dann befragen sie dessen Eltern, wie er sehend geworden ist. Diese aber

hatten Angst, dass sie mit ihrem Sohn aus der Synagoge, der Gemeinschaft der Juden ausgeschlossen werden würden: denn das

war allen angedroht, die zu Jesus hielten. Deshalb verwiesen sie die Pharisäer auf ihren Sohn: er ist alt genug, fragt doch ihn

selbst. Der Geheilte aber lässt sich nicht einschüchtern: Das ist ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher dieser Jesus

kommt. Nur wer Gott fürchtet und seinen Willen tut, der wird erhört! Da beschimpften sie ihn als einen, der ganz und gar in

Sünden geboren ist (Behinderung galt als Strafe für Schuld), und warfen ihn aus der Syngage hinaus. Danach traf der Geheilte

Jesus. Er fragt ihn: glaubst du an den Menschensohn? An mich? Und er wirft sich vor Jesus nieder und sagt: Ich glaube Herr!

Und Jesus sagt darauf: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Sehenden blind und die nicht Sehenden

sehend werden. Da fragten ihn Pharisäer, die dabei standen: Sind auch wir blind? Da sagte Jesus zu ihnen: Wenn ihr blind wärt,

hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

Predigt:

Es geht bei dem Evangelium darum, wer Jesus ist. Hat Jesus die Macht auch über den Sabbat. Wir könnten auch sagen: sind die

Gebote und Vorschriften das Wichtigste bei Gott, oder geht es um etwas anderes? Es geht darum, Gott zu dienen, ja. Aber heißt

das, dass äußerliche Vorschriften im Zentrum stehen, oder geht es um etwas anderes.

Jesus hat mit absoluter Autorität das Liebesgebot ins Zentrum des ganzen Gottesdienstes gestellt. Das ist die Erfüllung des

ganzen Gesetzes, darin gipfeln alle anderen Gesetze. Es gab im Alten Testament auch das Liebesgebot, aber so deutlich ins

Zentrum gerückt hat es nur Jesus: als die innerste Mitte aller anderen Vorschriften, noch dazu mit der Betonung der

Feindesliebe. Das heißt, es gibt keine Ausnahmen vom Liebesgebot: es gilt unbedingt in allen Situationen. Wir sollen nicht einmal

richten, nicht verurteilen, auch wenn wir uns im Recht wähnen. Die Liebe ist immer zu aller erst von uns gefordert, damit wir

Kinder des Vaters im Himmel sind. Dem gegenüber sind alle anderen Gebote, so wichtig sie sind, zweitrangig, auch das

Sabbatgebot, das doch ein zentraler Teil der Gebote um die Gottesliebe ist.

Jesus heilt einen Blinden, der von Geburt an blind ist. Jesus durchbricht bei diesem Blinden auch die Vorstellung von

Gerechtigkeit, die viele Menschen trugen und heute noch in vielen Religionen tragen: wenn jemand mit einer Behinderung auf

die Welt kommt, dann schämt man sich, als hätte man etwas angestellt: als hätten die Eltern oder der Betreffende etwas falsch

gemacht, der ja überhaupt nichts dafür kann, wie er ausgestattet ist. Aber auch die Eltern können normalerweise nichts dafür,

wie ihr Kind gebaut ist. Es gibt für Jesus auch noch andere Gründe für Behinderung als Schuld: bei diesem Blinden war es um

der Verherrlichung Gottes willen: dass eben durch seine Heilung Gott verherrlicht wird, die heilende Macht Gottes, seine

Menschenliebe so richtig zur Geltung kommt und viele deshalb Gott loben und neu auf Gott vertrauen.

Die Pharisäer sind voll Wut auf Jesus, weil er sich nicht auf ihre Sicht der Dinge beschränkt, weil er ihnen nicht nach dem Mund

redet, nicht ihre Version vertritt, ja sie sogar angreift und ihnen Gottlosigkeit vorwirft. Wir könnten das so zusammenfassen: es

geht euch nicht in erster Linie um Gott, sondern um euren Vorteil, oder eure Sicht der Gerechtigkeit. Alles andere wird

verteufelt. Man sollte immer bedenken, dass man sich irren kann. Wir sind nicht Gott. Weil sie so von sich überzeugt sind,

stoßen sie den Geheilten hinaus, verteufeln ihn, kommen nicht dazu, Gott für dessen Heilung zu loben. So verstärkt sich ihr Hass

auf Jesus noch mehr, der sich über sie hinwegsetzt, sie zurechtweist, sie zurechtrückt. Schwer zu ertragen, wenn man von sich,

von seiner Meinung so überzeugt ist. Das ist das Problem eines jeden, der glaubt, sehr weise zu sein. Man ist dann manchmal

blind für die Realität, weil man zu sehr von sich eingenommen ist, und verpasst dann vielleicht gerade das Wesentliche.

Der Blinde hat in der Heilung für sich die Macht Gottes erfahren. Er kann vertrauen, auch wenn die Autoritäten ihn verurteilen.

Wie geht es mir? Kann ich vertrauen, auch in dieser schweren Zeit, in der wir gerade sind, die Maßnahmen befolgen, auch wenn

ich anderer Meinung bin? Ich kann meine Angst, mein Misstrauen, meine Not, meine Zweifel dem Herrn bringen. Dort ist es am

besten aufgehoben. Und keine Angst, das gehört zu unserem Menschsein dazu. Wir wissen eben nicht alles, können nicht alles

wissen. Müssen immer wieder Vertrauen. Wem vertraue ich? Am besten Jesus, weil er über den Tod, die letzte Not hinaus trägt,

weil er meinem Herzen am besten DEN Frieden schenken kann, den es eigentlich sucht. Er macht unser Herz sehend und öffnet

es für die Liebe und damit für ein gutes Miteinander aller Menschen, damit alle Menschen menschenwürdig leben können und

auch die Natur geschützt wird, weil auch sie ein Recht auf Leben hat. Er bringt uns das Heil für dieses Leben und darüber

hinaus. Er ist der Retter der Welt. Selig wer an ihn glauben kann mit ganzem Herzen. Amen.