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Pfarre Furth

1.Lesung – Sir 3, 17-29: Bleibe bescheiden bei all deinem Tun und du wirst mehr geliebt werden als einer, der Gaben verteilt und du wirst Gnade finden bei Gott! Von den Demütigen wird er verherrlicht. Hingegen gibt es für die Wunde des Übermütigen keine Heilung, es ist wie ein giftiges Kraut.

2. Lesung – Hebr 12, 18-24: Als Christen gehören wir zu einer großen Gemeinschaft: zur Stadt des lebendigen Gottes. Wir sind zum Mittler eines neuen Bundes hinzugetreten.

Evangelium – Lk 14, 1-14: Jesus erteilt den Gästen im Haus eines führenden Pharisäers eine Lehre: Wenn du eingeladen bist, such dir den untersten Platz. Sonst kann es sein, dass der Gastgeber dich bittet, dich auf den letzten Platz zu setzen, wenn ein Höherer kommt als du. Und dann ist es eine Ehre für dich, wenn er sagt, komm setz dich höher hinauf. Und: wenn du ein Essen gibst, lade nicht die ein, die es dir vergelten können, sondern jene, die es dir nicht vergelten können und es wirklich brauchen. Es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Predigt:

Das Thema an dem Wochenende ist die Bescheidenheit, bescheide dich, lass anderen den Vortritt.

Es geht also nicht um ein sich Zurücknehmen aus Angst: Ich trau mich nicht. Das ist es nicht.

Das heißt, ich kann vorne stehen, aber ich muss es nicht! Ich soll also so viel wissen und können, dass ich den 1. Platz verdient hätte, aber trotzdem hinten stehen kann.

In den 70er Jahren hat es geheißen: du musst dich durchsetzen, sonst wirst du nichts.

Oder: Brave Mädchen kommen in den Himmel, schlimme überall hin…!?

Das stand damals unter dem Vorzeichen nach dem Krieg: aus dieser Not herauszukommen, Materiell abgesichert sein zu wollen. Das ist alles verständlich. Aber die materielle Engführung ist zu wenig für ein gutes Leben.

Dahinter steckt die Angst, ich komme andernfalls zu kurz! Wo bleibe ich, wenn ich anderen den Vortritt lasse? Dahinter steckt die Angst, das Leben verpassen zu können.

Diese Haltung schafft eine Gegnerschaft mit dem anderen, bevor der etwas unternommen hat, für die er nichts dafür kann: und zwar in mir ist er mein Gegner, weil er schneller, besser, schöner sein könnte. Das ist der eigentliche Grund für manches Mobbing in Betrieben und Vereinen. Dabei muss es nicht nur um Position und Gehalt gehen, es kann auch um Anerkennung und Bevorzugung gehen. Österreich verliert dadurch jährlich 100te Millionen an Wertschöpfung. Das hat wirtschaftliche Konsequenzen. Zugleich zerstören wir uns damit das Arbeitsklima, die Lebensqualität und damit das Wesentliche für unser Leben!

Was ist das eigentliche Problem?: Der andere wird nicht mehr wahrgenommen als er selbst mit seinen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit, mit dem, was mich bereichern könnte. Im Gegenteil, das ist alles eher eine Gefährdung für mich, das könnte mein Nachteil sein vor anderen. Und in mir baut sich ein Klima der Angst auf, die ich weitergebe, mit der ich andere anstecke.

Die Bescheidenheit ist hingegen eine Haltung, die dem anderen Raum gibt, in dem er sein darf, in dem er sich entfalten kann und zeigen kann, was er drauf hat. Es kann das Bereichernde von ihm zur Geltung kommen. Und wenn ich die Größe habe, kann ich mich daran freuen und wir können Freunde werden, die einander bereichern, unterstützen und helfen. Die Bescheidenheit ermöglicht erst echte Begegnung, aber dazu muss ich einen Schritt zurücktreten und meine Angst, meine Gier, aushalten, loslassen. Die Fähigkeit des anderen ist dann Bereicherung, nicht Minderung meiner selbst. Es ist Lebensreichtum, der mir da zufließt. Das kann ich aber erst erfahren, wenn ich die Angst loslasse. Dann kann ich im Wohlwollen bleiben und ich arbeite an einem guten sozialen Klima, in dem es sich gut leben lässt. Mit der Angst zerstöre ich hingegen genau dieses gute Klima: Ich zerstöre es, nicht der andere. Alles Gute des Anderen wird zur Bedrohung, aber auch das eigene Gute: es kann Eifersucht und Neid und Mobbing nach sich ziehen.

Eine Hilfe für „den Schritt zurück“ ist das Wissen, dass Gott für mich sorgt, dass ich den Platz bekommen werde, den er für mich vorgesehen hat. Ich bin von Gott geliebt, unendlich. Ich habe alles, was ich letztlich wirklich brauche. Ich komme nicht zu kurz. Ich brauche keine Angst zu haben und keine Gier. Ich kann das alles loslassen: ich kann vertrauen! Da kann sich erst echte Gemeinschaft entfalten, können wir in der Liebe wachsen, die wir Menschen eigentlich suchen und wirklich brauchen für unser Leben und die Gott möchte, dass sie sich in uns entfaltet. In der Lesung hat es geheißen: und du wirst mehr geliebt werden als einer, der Geschenke verteilt, und: du wirst Gnade finden bei Gott. Es ist schon Gnade, die Liebe zu finden, in der Liebe zu leben, weil es das eigentliche Leben ist.

Dieses Hinführen zur Liebe, zum wahren Menschsein steht auch hinter dem 2. Gedanken des Evangeliums: Arme einzuladen, jene, die es wirklich brauchen und es nicht vergelten können. Dann haben wir ein Kapital bei Gott, den Schatz, der nicht verdirbt. Er wird es uns vergelten in der Ewigkeit. Und die Liebe wächst in seiner Welt unter den Menschen. Das ist das Ziel Gottes mit uns, das möchte er mit seinem Wort in uns bewirken.

Es ist ein Gegenprogramm Gottes zum Programm der Welt. Jesus hat das gelebt. Das kommt in seinem Wort zum Ausdruck: "Ich bin unter euch wie der, der bedient." Und in dem anderen Wort: "Wer der Erste sein will, soll der Diener aller sein!" Gott möchte uns damit nicht klein halten, sondern er möchte bewirken, dass wir in der Liebe wachsen und innerlich groß werden. Nicht nur nach außen, sondern in Wirklichkeit, im Herzen. Amen.