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Pfarre Furth
1. Lesung – Gen 18,20ff: Abraham versucht mit Gott zugunsten von Sodom und Gomorra zu handeln. Er traut sich, Gott von 50 auf 10 Gerechte herunterzuhandeln, um derentwillen Gott die Städte nicht mit Vernichtung bestrafen wird. Leider finden sich nur 4: sein Neffe Lot, dessen Frau und ihre beiden Töchter. Abraham hat eine große Verheißung bekommen: Er soll ein Segen für alle Völker sein. Das wird dadurch offenkundig, dass er für die Menschen dieser Städte, die Inbegriff der Sünde sind, eintritt. So sollen auch wir füreinander vor Gott eintreten.

2.
Lesung – Kol 2, 12: Gott hat den Schuldschein von uns durch den Tod Jesu durchgestrichen: alle Sünden sind uns vergeben, die vergangenen und die zukünftigen, wenn wir das wollen. So sind wir lebendig gemacht im wahrsten Sinn des Wortes.

Evangelium – Lk 11, 1-13: Die Jünger bitten Jesus, sie beten zu lehren. Und er lehrt sie das Vater unser. Zur Bekräftigung für ein vertrauensvolles Beten erzählt er ihnen ein Gleichnis von einem Mann, der spätabends noch Besuch bekommt, aber dem Gast nichts anbieten kann. Er wird den Nachbarn inständigst bitten, ihm das Fehlende für den Gast zu geben und er wird nicht enttäuscht werden. Genauso wird auch der inständige Beter nicht vom Vater im Himmel enttäuscht werden. Ja er wird ihnen nicht nur geben, was gut ist, sondern vor allem den Hl. Geist geben, die Gabe Gottes.

Predigt:

 

Das Evangelium ist gefüllt mit schönen und tiefen Worten, dass es schwer ist, sich auf weniges zu beschränken.

Das Vater unser ist das Gebet der Christenheit, das wohl alle Christen in besonderer Weise miteinander verbindet und das uns alle, wenn wir es ehrlichen Herzens beten, zu Brüder und Schwestern macht unter dem einen gemeinsamen Vater im Himmel. Und ich sage dann dazu: Herr hilf uns, dass wir gute Brüder und Schwestern sind und nicht wie es manchmal unter Geschwistern ist: die schenken sich nichts. So hart können Eltern oft nicht mit ihren Kindern sein, wie es Geschwister untereinander sein können. Das gilt leider nicht nur für leibliche Geschwister, auch manchmal für uns Christen.

Jesus betet zuerst um das Reich Gottes. Wir könnten sagen, dass wir Menschen so leben, wie Gott es von uns möchte: in Ehrlichkeit und Wertschätzung und Dankbarkeit ihm gegenüber und unseren Mitmenschen gegenüber. Es soll sein Reich in unserem Herzen herrschen, die Erde erfüllen. Davon sind wir leider weit entfernt, wenn wir in die Wirklichkeit dieser Welt hineinschauen. Aber gerade deshalb sollen wir ja darum beten, weil es uns fehlt, wohl auch, weil wir es aus eigener Kraft nicht machen können, es uns schenken lassen müssen, und wollen müssen. Ohne unsere Freiheit geht nichts. Deshalb, weil es auf die Liebe ankommt und ohne Freiheit gibt es keine Liebe.

Und dann das schwere Wort der Vergebung. Im frühen Christentum haben die Christen teilweise diesen Teil des Vaterunsers ausgelassen, damit sie nicht an die Pflicht der Vergebung erinnert werden. Der hl. Benedikt hat deshalb verfügt, dass der Abt das ganze Vaterunser allein fast zu Ende betet, damit sich im Kloster niemand darum herumschwindeln kann. Also auch die Klosterbrüder sind nicht davor gefeit, sich um die Vergebung zu drücken. Wir wollen zwar, dass uns vergeben wird – von Gott, von den Mitmenschen, aber selbst fällt es uns unendlich schwer. Ich denke, es ist wichtig, das offen anzuschauen, dem Herrn unser Herz hinzulegen und ihn zu bieten, es mit Fleisch und Blut zu erfüllen: Die Verletzung, die Kränkung loszulassen: Nach Reinhard Haller die Ursache vieler seelischer Krankheiten. Das ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass wir mit der nicht-Vergebung nicht dem anderen schaden, sondern uns selbst: Wir finden keinen Frieden! Es ist wie in einem Kreisverkehr, aus dem man nicht herauskommt, wenn man nachträgt. Es ist verständlich, dass Vergeben nicht immer gleich geht, dass wir Zeit brauchen. Aber es gibt einen Punkt, an dem wir sagen sollten: Jetzt ist Schluss. Jetzt habe ich lange genug getrotzt, nachgetragen, mich abgequält und andere auch. Ich will wieder frei und offen weitergehen, wieder leben.

Noch ein Gedanke zum Wort von der Verführung: Im Wort steckt schon die Tatsache, dass die Sünde lockt, dass sie auch einen schönen Anteil hat, dass es gut wäre, von dieser Frucht zu essen. Aber sie baut letztlich eine Mauer auf zwischen uns und Gott und untereinander. Sie verbaut uns damit das Wichtigste im Leben: erfüllte Gemeinschaft. Papst Franzikus meint, dass wir besser sagen: führe uns in der Versuchung, oder durch die Versuchung hindurch. Es gut, sich bewusst zu sein, dass man schwach ist, dass man fallen kann, dass man Hilfe braucht. Gott sei Dank dürfen wir Gott bitten. Wir dürfen ihm auch unser Fallen bringen. Und wir dürfen uns bitten, uns zu heilen, unser Herz, unsere Beziehungen. Das ist gelebter Glaube. Und das hilft uns auch zur Barmherzigkeit miteinander und führt uns zur Erlösung. Wir dürfen voll Vertrauen bitten: Gott gibt uns seinen Geist, den Geist des Lebens, des Friedens, der Fülle. Nehmen wir ihn beim Wort! Amen.