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Pfarre Furth

1.Lesung - Dtn 30, 10-14: Moses hat am Ende seines Lebens - vor den Toren des gelobten Landes, mit einem Fuß bereits im Grab, dem Volk Gottes noch einmal die Gebote des Herrn vorgetragen und dem Volk eingeschärft: Haltet die Gebote! Höre auf Gott! Kehre zu ihm zurück. Das Wort Gottes ist in deinem Herzen.

2. Lesung - Kol 1: Der Kolosserbrief beginnt mit einem wunderschönen Hymnus auf Christus und seine Sendung: Er war vor aller Schöpfung, durch ihn ist alles erschaffen, zugleich ist er der Erstgeborene der Toten und auf ihn hin ist alles geschaffen, in ihm findet alles seine Vollendung, sein Ziel. Christus ist Anfang, Mitte und Ziel von allem.

Evangelium – Lk 10, 25-37: Das Hauptgebot und das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

Predigt:

Das Hauptgebot lautet: Gott über alles lieben und den Nächsten wie sich selbst. Das hat uns Jesus ins Herz geschrieben.

Es ist vielleicht nicht so angenehm, wenn ich der Reiche, der Mächtige bin. Dann könnte es heißen, dass ich geben sollte, dass ich gnädig sein sollte, dass ich meinen Reichtum, meine Macht abgeben sollte. Das kostet Überwindung. Klar!

Aber es ist besser, wenn ich in der Lage bin zu geben, als wenn ich betteln muss.

Und: was würde ich wollen, wenn ich in der Lage des anderen wäre? Würde ich nicht dann genau darauf hoffen? Das ist der Sinn der Goldenen Regel, die sich in fast allen Religionen findet: Was du willst, dass man dir tut, dass tu auch anderen, oder negativ formuliert.

Wenn es uns gelingt, unsere Angst um unseren Besitz und unsere Macht loszulassen, dann kann Frieden sein und ich kann mich frei auf den anderen einlassen. Das ist der Vorteil des Armen. Er hat nichts. Er braucht um nichts Angst haben. Er ist frei! Es kann Beziehung entstehen. Und es gibt nichts Größeres, als wenn wir miteinander in Beziehung treten können. Das bereichert unser Leben wirklich und nicht das Bankkonto. Die Begegnung macht das Herz froh. Manchmal auch schwer, wenn es Not und Leid mitzutragen gilt.

Und noch etwas: dann sind wir Kinder des einen Vaters im Himmel, weil wir uns gegenseitig wie Schwestern und Brüder behandeln. Das ist dann in sich eine Botschaft des Heils an die Welt: schaut, so ist Leben in Frieden und Freude und Miteinander. Das tut gut.

Lasst mich nur ein wenig spinnen – weil es dem heutigen Denken nicht ganz entspricht – da ist man immer ein Spinner, den Gedanken weiterspinnen. Wie würde eine Welt ausschauen, in der alle Menschen einander Brüder und Schwestern sind, einander beistehen, füreinander eintreten, ihre Rechte achten und ihre Pflichten der Menschlichkeit, der Gegenseitigkeit, der Gerechtigkeit einhalten. Wäre das nicht eine lebenswerte Welt? Wir bräuchten dann keine Polizei, kein Militär, keine Atomwaffen. Wir bräuchten keine Sicherheitszäune und Grenzzäune. Wir würden vielleicht nicht wie in einem Wettlauf die Erde zerstören, wie es derzeit mehr oder weniger geschieht, damit ich noch mein Quentchen Vorteil oder Vergnügen vor dem anderen herausholen kann. Was würden wir uns an letztlich sinnlosen Ausgaben und Aufwendungen sparen? Was könnte damit Gutes geschehen unter dem Vorzeichen der Menschlichkeit? Es müsste niemand mehr verhungern. Niemand würde auf Kosten anderer leben. Wir bräuchten keine Angst zu haben, auch wenn wir behindert, alt oder krank sind, weil jeder für jeden sorgt, so gut er kann.

Ist so eine Welt unmöglich? Nein, sie ist nicht unmöglich. Jeder der das lebt, soweit er es lebt, verwirklicht diese Welt, macht diese Welt menschlicher. Das Beispiel Jesu vom barmherzigen Samariter zeigt uns das ganz praktisch: dort, wo ein Mensch in Not ist, da sein für ihn, so gut ich kann. Dann erweise ich mich als der Nächste von diesem Menschen. Damit erweise ich mich als ein Mensch, vor dem man keine Angst haben muss, dem man Vertrauen kann, der auf seine Bequemlichkeit, seinen Vorteil, seine Angst um meinetwillen verzichten kann.

Jesus hat das für uns getan: er hat auf seine Herrlichkeit, seine Fülle verzichtet, um ganz bei uns zu sein und uns eine ewige Erlösung zu schenken.

Das Evangelium ist eine Heilsbotschaft, aber nicht wie die Botschaften dieser Welt, die meistens auf noch mehr Macht und Reichtum und Absicherung hindrängen und das als das Heil hinstellen, sondern eine die sich umdreht zum Menschen hin, für den Menschen in seiner Not, für eine menschliche und umweltgerechte Welt, die sich letztlich zu mir hindreht, auf mein Herz schaut und fragt: was brauchst du? Wir finden darin auch uns selbst: Selbstliebe. Wir haben einen menschenfreundlichen Gott. Seien wir menschenfreundlich. Amen.