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Pfarre Furth
1. Lesung – 1 Kön 19: Der Prophet Elija beruft als seinen Nachfolger Elischa. Dieser stand auf und folgte ihm und er wurde einer der bedeutendsten Propheten Israels. Dabei war es damals eine sehr herausfordernde Zeit, in der sich vieles zuspitzte. Elija wurde verfolgt, es schien nicht mehr viele Anhänger von Jahwe zu geben. Viele hatten sich dem Baal, einem Fruchtbarkeitsgott zugewandt. Gott hat Wege zum Heil, auch wenn wir keine sehen. Das macht Mut.

2.
Lesung – Gal 5: Wir sind zur Freiheit befreit, berufen: einander in Liebe zu dienen. Lasst euch vom Geist leiten, nicht vom Fleisch – man könnte sagen: vom Eigennutz in Gleichgültigkeit gegenüber anderen. Die Liebe macht wirklich frei, könnten wir sagen.

Evangelium – 9, 51-62: Ein samaritisches Dorf nimmt Jesus und die Jünger nicht auf, weil sie nach Jerusalem pilgerten. Johannes und Jakobus wollen das Dorf mit Feuer strafen. Jesus weist sie zurecht und geht in ein anderes Dorf. Jemand möchte Jesus folgen, aber Jesus warnt ihn: der Menschensohn ist mittellos. Einen anderen lädt Jesus zur Nachfolge ein. Als dieser zuerst seinen Vater begraben möchte, sagt Jesus: Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber geh und verkünde das Reich Gottes! Ein Dritter will Jesus nachfolgen und sich zuerst von den Seinen verabschieden. Aber Jesus sagt: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Predigt:

Meine lieben Gläubigen!

Die Donnersöhne, wie Johannes und Jakobus genannt werden, sind sehr eifrig und hart. Sie wollen damit den Meister verteidigen und vielleicht auch den Leuten zeigen, wer Jesus ist. Aber Jesus weist sie zurecht und geht in ein anderes Dorf. Die Botschaft vom Heil verkünden und andere vernichten, passt nicht zusammen. Jesus ist gekommen, das Heil zu bringen, nicht Gewalt. Er spricht von der Liebe. Die Jünger haben das nicht begriffen, könnten wir sagen. Haben wir es begriffen? Alle Rechtlichkeit und Besserwisserei aufgeben und für die Menschen da sein zu ihrem Wohl. Das ist keine leichte Aufgabe. Das Heil besteht nicht in erster Linie in Lehren und Geboten, sondern in der Haltung der Liebe gegenüber den Menschen, die zuerst den Menschen Gutes will und tut: das ist die Botschaft des Heils im Tun, das der Botschaft des Wortes vorausgehen soll. Jesus lässt den Menschen die Freiheit. Das passt zur Liebe eher als die Gewalt. Wir Menschen neigen sehr schnell dazu, zur Gewalt zu greifen, wenn wir uns im Recht fühlen, im Besitz der Wahrheit wähnen. Und übersehen dabei, dass die Gewalt jedes Recht zerstört, dass die Wahrheit keine Gewalt braucht, weil sie für sich selbst spricht.

Im 2. Teil des heutigen Evangeliums geht es um die Nachfolge, um Menschen die Jesus nachfolgen möchten, oder die er in seine Nachfolge beruft. Die Nachfolge ist alles fordernd. Einer, der von sich aus Jesus nachfolgen möchte, weist Jesus darauf hin, dass er kein Zuhause bieten kann, keine materiellen Sicherheiten hat. Ist er bereit, das zu akzeptieren? Kann er das aushalten? Das muss er sich vorher überlegen. Es darf dem Jünger, der Jüngerin in der Nachfolge nicht um Sicherheit und Besitz gehen, dann würde er sein Heil auf Materielles setzen. Allein das Vertrauen in Jesus soll ihn/sie tragen. Es gilt alles loszulassen, wie es die Ordensgemeinschaften zu ihrem Grundsatz erhoben haben mit dem Armutsgelübde. Das mit dem Loslassen ist nicht leicht. Es ist ein lebenslanges Ringen. Wenn man es kann, soweit man es kann, befreit es für die Beziehung zu Jesus und zu den Menschen. Sonst steht der Besitz allzuschnell zwischen den Beziehungen, zwischen uns und Gott, nicht erst, wenn es um das Erbe geht. Andererseits sind wir aber Teil dieser Welt! Solange wir in dieser Welt leben, sind wir materiell bedürftig. Das ist eine Grundvoraussetzung unseres Lebens. Damit stehen wir immer in materiellen Abhängigkeiten. Um diese Not zu wissen und den Gefahren, die damit verbunden sind, ist wichtig für einen, der Jesus nachfolgen möchte. Und ich möchte sagen, es muss uns bewusst sein, dass wir aus eigener Kraft diesen Gefahren nicht entkommen werden. Da brauchen wir seine Hilfe.

Einem anderen, der bereit ist, Jesus nachzufolgen, möchte sich zuvor von seiner Familie verabschieden. Dem sagt Jesus: keiner der zurückblickt, taugt für das Reich Gottes. Nicht nur die Bereitschaft zur Nachfolge ist wichtig, sondern auch der Abbruch zur Vergangenheit, zur Familie. Die Bindung an die Familie war zur Zeit Jesu viel stärker als in unseren Tagen, in der die Generationen selbständig, voneinander unabhängig, sind. Die Familie, die Großfamilie, war früher das Netz in sozialer Hinsicht und von absoluter Bedeutung für den Einzelnen. Diese Radikalität Jesu steht im Gegensatz zur Lesung aus dem AT, zu Elija, der dem Elischa sehr wohl eine Abschiedsfeier erlaubt. Und das bedeutet in dem Fall nicht, dass die Nachfolge weniger radikal ist. Aber freilich muss uns klar sein, dass die Vergangenheit in all ihren Facetten bei jedem von uns eine Macht ist, auch wenn wir uns für den Weg Jesu entscheiden. Hier ist die Frage wiederum, wie sehr lasse ich mich wirklich auf Jesus ein, ist er das eigentliche Ziel meines Lebens. Und es muss mir auch klar sein, dass ein radikaler Weg in der Nachfolge über unsere irdische, menschliche Kraft hinausgeht, dass wir seine Hilfe brauchen.

Ganz radikal ist Jesus auch beim dritten Beispiel von einem der Jesus nachfolgen möchte. Er beruft ihn selbst. Er möchte seine Pflicht der Pietät gegenüber dem Vater einlösen, ihn begraben. Warum Jesus da so radikal ist, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Es soll uns sicher auch sagen, dass der Totenkult nicht das Eigentliche ist. Wir wissen nicht, was das für ein Vater war, welches Verhältnis der Betreffende gegenüber seinem Vater hatte. Das könnte den Blick darauf noch einmal verändern. Mit seiner Ansage will Jesus sicher nicht der Liebe einen Abbruch tun, denn die Liebe ist das eigentliche Worumwillen seines Kommens und seines Auftrags an uns: alle Menschen einzuladen, die Liebe Gottes zu glauben und anzunehmen und selbst die Liebe zu leben, dort wo wir leben, so gut wir können. Das Andere möge der Herr ist seiner Gnade vollenden, was wir nicht zustande bringen, denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.